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Starke Position der Zürcher Hochschulen in der Life Sciences Forschung
Fig. 1
Fig. 2

Die Häufigkeit, mit der eine wissenschaftliche Publikation zitiert wird, ist eine oft verwendete Messgrösse für ihre internationale Ausstrahlung. In der neuen Datenbank Essential Science Indicators (ESI) sind jene Personen verzeichnet, die in ihren Fachgebieten am meisten zitiert werden (die obersten 1%). Gemäss den kumulierten Werten von 10 Fachgebieten der Life Sciences liegt die Universität Zürich an der Spitze, gefolgt von den Universitäten Genf, Lausanne und Basel. Betrachtet man sämtliche Fachbereiche, übertrifft die ETH Zürich die anderen Hochschulen. Sie ist vor allem in der Chemie und in den Ingenieurwissenschaften stark vertreten. Obwohl diese Messgrössen als wertvolle Indikatoren für die internationale Ausstrahlung der Forschung dienen können, ist ihre Interpretation mit Problemen behaftet. In isolierter Form sollten sie darum nicht zur Rangierung der Forschung an den Schweizer Hochschulen verwendet werden.

Das Publizieren von wissenschaftlichen Erkenntnissen gehört zum täglichen Brot der Forschenden. Erst wenn eine Arbeit veröffentlicht wird, kann sie im internationalen Umfeld verglichen und kommentiert werden. Die Zahl der Zitationen, also die Häufigkeit, mit der eine naturwissenschaftliche Arbeit von Fachkollegen als Informationsquelle erwähnt wird, gibt einen Hinweis auf die internationale Bedeutung der Publikation.

Die vom Institute of Scientific Information (ISI) aufgebaute Datenbank Essential Science Indicators (ESI) erfasst jene Personen, deren Publikationen in den Jahren 1992 – 2002 die grösste internationale Resonanz fanden, die also zu den Meistzitierten ihres Fachgebietes gehören (oberste 1%). Analysiert wurden 8 Schweizer Hochschulen, in denen die Life Sciences signifikant vertreten sind.

Die Grafik der Life Science Bereiche (Fig. 1) widerspiegelt die Forschungstätigkeit der Hochschulen und lässt Schwerpunkte erkennen. Der Einbezug der übrigen Bereiche (Fig. 2) zeigt die bedeutende Forschungsaktivität der ETH Zürich in der Chemie und den Ingenieurwissenschaften auf.
Auf der Ordinate ist die Zahl der Personen angegeben, die in die obersten 1% der Zitationen fallen.

Spezifische Aspekte der Analyse
Die vorliegende Analyse basiert auf Personen und nicht auf Institutionen: Professoren und Professorinnen, welche zum Zeitpunkt der Erhebung an einer Schweizer Hochschule tätig waren, werden mitgerechnet, unabhängig davon, wo sie die vorangehende 10-Jahresperiode verbrachten . Diejenigen Fakultäten und Abteilungen wurden in die Erhebung einbezogen, deren Fachbereiche in der ESI Datenbank vertreten sind.1)

Die Analyse beschränkt sich aus praktischen Gründen auf Professoren und Professorinnen und nicht auf andere Angehörige der Hochschulen, die das 1% Kriterium erreichen. Da dies für alle Institutionen gleichermassen gilt, ist es unwahrscheinlich, dass es deshalb zu einer starken Verzerrung der Resultate kommt.

Das 1% Kriterium ist ein arbiträr festgesetzter Grenzwert und die effektive Anzahl Zitationen innerhalb des obersten Perzentils geht nicht in die Analyse ein. Wenn in einer Hochschule einige Personen sehr hohe Werte aufweisen und anderswo mehrere Personen das Kriterium knapp erreichen, schneiden letztere besser ab.2)

Die Zitationsanalyse eignet sich nicht für alle Fachbereiche in gleichem Masse. In bestimmten Bereichen wie der Mathematik, den Erdwissenschaften, Ingenieurwissenschaften und Computerwissenschaften erscheinen wichtige Arbeiten in Konferenzberichten und nicht in Zeitschriften. Auch werden die Geisteswissenschaften hier nicht berücksichtigt. Diese Aspekte müssen für eine differenzierte Interpretation der Resultate einbezogen werden.

Eine Stärke der neuen ESI Datenbank ist der geringe Umfang der Kategorie 'Multidisziplinäre Zeitschriften'. In früheren Analysen konnten die in dieser Kategorie anfallenden Zitationen nicht einem bestimmten Fachbereich zugeordnet werden. Dies führte zu einer Verfälschung der Resultate, da die besten und meist zitierten Arbeiten in diesen Journalen (z.Bsp. Science oder Nature) zu finden sind. In der ESI Datenbank wurden die meisten Publikationen dieser Kategorie neu klassifiziert und den entsprechenden Fachgebieten zugeordnet.

1) Nachstehend sind deshalb die für die Erhebung verwendeten Zahlen aufgeführt:
Universität Zürich:  242 Professoren
ETH Zürich:  343 Professoren
Universität Basel:  185 Professoren
Universität Bern:  181 Professoren
Universität Fribourg:  64 Professoren
Universität Lausanne:  196 Professoren
ETH Lausanne:  174 Professoren
Universität Genf:  222 Professoren

2) Um die Qualität der Arbeiten vermehrt zu gewichten, wird als weitere Messgrösse oft die Zahl der Zitationen pro Publikation (citations per paper) verwendet. In der ESI Datenbank ist auch diese Angabe für die verschiedenen Hochschulen und Fachgebiete enthalten. Auch gemäss diesem Indikator steht die Universität Zürich in der Kategorie 'Neurowissenschaften & Verhaltensforschung' an erster Stelle. Allerdings überflügelt sie auch in der 'Physik' und 'Immunologie' deutlich die anderen Hochschulen, ein Ergebnis, das aus der hier dargestellten Analyse nicht hervorgeht.



CEST-Analyse
Das Zentrum für Wissenschaft- und Technologiestudien (CEST) hat im August 2002 einen Bericht veröffentlicht, in welchem die Hochschulen der Schweiz auf Grund bibliometrischer Indikatoren verglichen wurden. Die Universität Zürich steht gemäss der CEST-Analyse in der Kategorie 'Multidisziplinäre Zeitschriften' an der Spitze, schneidet aber in vielen anderen Fachbereichen unerwartet schlecht ab. Die erheblichen Diskrepanzen zur vorliegenden Analyse und zu anderen Untersuchungen bedürfen einer genaueren Abklärung. Die Unterschiede der verwendeten Datenbanken könnten mitverantwortlich sein: Die CEST Analyse basiert auf den Zitationen der Jahre 1994-99 und nicht der vergangenen 10 Jahre der ESI Datenbank (1992-2002). Ein gravierender Nachteil der CEST-Studie ist die nicht bereinigte Kategorie 'Multidisziplinäre Zeitschriften', die eine Zuordnung zu einzelnen Fachbereichen verunmöglicht. Wenn die besten Arbeiten, welche in Zeitschriften wie Science und Nature erscheinen, nicht ihren Fachbereichen zugeordnet werden können, muss die Aussagekraft dieser Analyse in Frage gestellt werden.
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© Life Science Zurich 2002 | letzte Änderung 12.07.2006 | Impressum